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Berlin Festival – Berlin, du kannst mehr!

Als ich letzten Herbst kurz nach dem Berlin Festival in die Hauptstadt nach Neukölln, direkt beim Tempelhofer Feld zog, ärgere ich mich einerseits schwarz, dass ich die Britpop-Legenden Blur verpasste, freute mich aber anderseits wie ein kleines Kind im nächsten Jahr Bands mit einer ähnlichen Kragenweite praktisch direkt vor meiner Haustür begutachten zu können.

So schaute ich mir in den nächsten Monaten regelmäßig die „Acts“ an und wartete gespannt auf den großen Knüller. Moderat, Bombay Bicycle Club und Editors waren ja ganz nett, aber jetzt auch nichts was mich aus den Socken hob. Doch das „WEITERE ACTS WERDEN IN KÜRZE BEKANNTGEGEBEN…“ auf der Internetpräsenz lies mich bis kurz vor dem Festival hoffen. Doch es kam nichts Weltbewegendes. Ironischerweise steht der Infotext auch noch heute, knapp eine Woche nach dem Festival so im Netz. Das fasst das Festival eigentlich auch schon ganz gut zusammen.

Der zweite Knaller kam dann kurz vor dem Festival mein geliebtes Tempelhofer Feld sollte zugunsten des Arena Geländes in Alttreptow verlassen werden. Warum sollte man auch eine riesige freie Fläche mitten in der Stadt nutzen? Da hat sich wohl jemand massiv beim Kartenverkauf verschätzt. Aber lieber umziehen, als ein Greenville 2.0 zu erleben.

Auch wenn ich gerade, wie ein Rentner meckere, der seine morgendliche QVC-Dröhnung nicht bekommen hat, überrascht wohl der Fakt, dass ich doch meine Füße zum Berlin Festival bewegte. Gequält von Langeweile besorgte ich mir zwei Stunden vor Festivalbeginn noch ein Tickets und Schwups da war ich!

Freitag

Nach etwas unkoordinierten Suchen des Einganges, alles wirkte noch etwas improvisiert, ging es zur Mainstage um die letzten Minute von Kid Simius, dem Marteria-Anhang zu erhaschen. Er wirkte sehr bemüht die Meute einzuheizen, doch so richtig konnte er das Feuer irgendwie nicht entzünden. Was soll’s. Ganz langsam steigerte sich die Stimmung mit zunächst Austra und anschließend dem etwas melancholischen Elektro durch Darkside. Mein persönliches Highlight war der nächste Auftritt von Todd Terje. Nach seinen bei Kritikern gefeierten Debüt-Album wusste der ruhige Norweger auch live mit seinem 80s-geprägten Elektrosound zu gefallen. Für mich war Tag Eins hier erstmal zu Ende.

Samstag

Berlin Festival 2014 - Samstag

 

Tag Zwei stand ganz im Licht des Indie Rock’n’Roll. Nachdem ich den ersten Act des Tages leider verpasste, da ich morgens doch etwas zu lange im Bett hing. Nennen wir es mal „morgens“, begann der Samstag der großen Hauptsause bei mir mit Kindness. Auch wenn ich von der Truppe vorher nur am Rand etwas gehört hatte, wusste der extrovertierte Frontmann Adam Bainbridge und seine Kombo sehr zu überzeugen. Der geborene Showmann lief mit seinem Mikro dabei durch’s Publikum und zelebrierte den einen oder anderen Tanz. Als nächstes war die englisch-baskische Hippie-Indie-Gute-Laune-Truppe Crystal Fighters an der Reihe. Sie hielt, was sie verspricht und sorgte kräftig für Serotonin-Produktion im Publikum. Ein sehr gelungener Auftritt! Leider mussten wir nachträglich das es auch der letzte in dieser Konstellation war. Der Schlagzeuger Andrea Marongiu starb leider aus bisher unbekannten Umständen vor dem nächsten Auftritt der Band! R.I.P.! Als nächstes gönnte ich mir eine kleine Pause im Art Village, das seinen Namen nicht wirklich wert war. Dummerweise wurde man dort auch direkt von der Splash! Mag Stage bestrahlt, was akute Gehirnschmelze mit sich brach. Ich glaub‘ ein Schulabbruch spätestens nach der achten Klasse war Grundbedingung, um hier auftreten zu dürfen. Mit einer kleinen Stärkung in Magen wollte ich nun zu Bombay Bicycle Club. Doch das wurde erst mit einer kurzen Verzögerung etwas. Für einen Burger musste ich sage und schreibe 50 Minuten warten. Die Kost und Logis war auf dem Festival echt lächerlich. Man musste erst ewig weit laufen und dann auch noch ewig lange anstehen um an etwas Nahrhaftes zu kommen. Das bekommt jedes Dorffest in der größten Pampa besser hin. Trotzdessen konnte ich noch den Großteil der Bombay Bicycle Club Show erhaschen und erlaubte mir zwischendurch noch einen kleinen Abstecher zu HVOB, die ich ebenfalls sehr gern sehen wollte. Mit perfekten Zeitmanagement schaffte ich es von beiden Bands, die größten Hits zu sehen erst HVOB’s „Dogs“ und dann „Always Like This“ von Jack Steadman gesungen. Für mich den Abschluss dieses Tages bildeten anschließend Editors, die mit „Papillon“ und „Munich“ Indieherzen höher schlagen ließen und bewiesen warum sie als Headliner aufgestellt wurden.

Sonntag

Am dritten Tag ist ja naturgemäß irgendwie schon immer etwas das Feuer raus. Ähnlich erging es mir auch am Sonntag des Berlin Festivals. Der Tag begann für mich mit Highasakite. Auch wenn mir die Musik gefiel, hatte die norwegischer Band mit einer großen Portion an technischen Problemen zu kämpfen und war dementsprechend nervös. Irgendwie hat man das Gefühl, dass hier eine junge Band auf einer großen Bühne verpulvert wird. Während für andere Bands die Bühne viel zu klein waren. Wie für Mount Kimbie das Glashaus. Doch spätestens mit der nächsten Band war die etwas betrübte Stimmung verflogen. Warpaint waren für mich einer der Highlights des Wochendes. Die vier Damen aus L.A. zeigten mit ihrem experimentellen Rock eine energiegeladene Show. Ich sollte mich auf jeden Fall näher mit ihrer Diskografie auseinander setzen! Die Show von Jessie Ware, auch bekannt als Sängerin von SBTRKT verbrachte ich nur im Sitzen um den anschließende Show von Woodkid wieder auf beiden Füßen zu betrachten. Die Arena war nun knackend voll. Kein Wunder, Woodkid ist ja auch der einzige Künstler, der den gemeinen Festivalbesucher aus dem Radio bekannt ist. Doch für mich waren die nächsten 90 Minuten definitiv der Tiefpunkt des Festivals. Die Hits aus The Golden Age waren für mich irgendwas zwischen Schneewittchen und die Sieben Zwerge Soundtrack und Safri-Duo für Hipster. Untermalt wurde das ganze von eher mittelmäßigen Gesang. Yoann Lemoine würde sich sicher auch gut als Animateur auf einem Clubschiff machen. Ich konnte die gute Stimmung in der Menge also nicht wirklich verstehen. Zum Glück spielten danach Moderat. Mit feinsten Elektro konnte das Konklomerat aus Modeselektor und Apparat meine Ohren wieder frei spühlen und waren für mich definitiv eines der musikalischen Höhepunkte des Wochenendes. Da ich anschließend kaputt war, ging ich nun müde nach Hause und ließ das Festival in Gedanken noch mal Revue passieren.

Berlin Festival 2014 - SamstagIm Großen und Ganzen war sicher nicht alles schlecht am Berlin Festival 2014. Von den Künstlern konnten vor allem Warpaint, Moderat und Editors überzeugen. Doch ließ die Organisation doch echt zu wünschen übrig. Die Eingänge variierten über das Wochenende, Essenstände gab es zu wenig und die, die da waren, waren zu weit weg. Manche Bands spielten auf zu großen, andere auf zu kleinen Bühnen und auch das Line-Up hätte zumindest nach meinem Geschmack mehr Gitarren-Bands und auch den einen oder anderen großen Namen mehr verdient gehabt. Aber wer weiß, vielleicht wird es ja nächstes Jahr wieder besser. Wir sehen uns!

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