Konzerte & Festivals, Musik
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Konzerte, Konzerte, Konzerte – Meine 10 Highlights des Jahres 2014

Ein Jahr, zwei Festivals, 23 Konzerte und insgesamt 82 gesehene Bands. Wenn man schon in der deutschen (Kultur-)Hauptstadt wohnt, muss man das immense kulturelle Angebot auch ausnutzen. Einer der vielen Gründe für meinen Umzug nach Berlin war das riesige Spektrum an Konzerten in dieser Stadt. An meinen vorherigen Wohnorten waren Konzertbesuche eher eine sehr seltene Ausnahme. Spätestens mit meinem Umzug in die Drei-Millionen-Menschen-Metropole habe ich mir vorgenommen das zu ändern und ich glaube das hat ganz gut geklappt. Aus diesem Grund möchte ich nun einen kleinen Rückblick auf mein Konzertjahr 2014 geben und rückblickend meine zehn musikalischen Höhepunkte küren. Viel Spaß damit!

1: The Libertines – Berlin Arena, 4. Oktober

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Es gibt Bands bei denen hat man sich damit abgefunden, dass man sie vermutlich nie live sehen wird. Und auch wenn es 2010 bereits Comeback-Shows gab, hatte ich mich irgendwie damit abgefunden, dass die Libertines, in einer Reihe mit den Beatles, The Smiths oder Joy Division stehen. Doch irgendwann Anfang 2014, dann die Überraschung: Es wird eine Reunion (mitsamt Europa-Tournee) geben. Die Vorfreude stieg. Doch bei Pete weiß man ja nie, ob er auftritt, wann er auftritt und in welchem Zustand er auftritt. Doch die Zweifel waren überflüssig. Pete, Carl, John und Gary kamen nach Berlin und sie sollten in Erinnerung bleiben. Auch wenn wohl auch monetäre Aspekte ein Beweggrund für die Reunion gewesen sein sollen, so waren es ihn nicht ansatzweise anzumerken. Carl und Pete agierten wie in ihren „Glory Days“ und verzauberten das Publikum mit ihrer perfekten Unperfektheit.

„Don’t look back into the sun
Now you know that your time has come
And they said it would never come for you“ – Don’t Look Back Into The Sun

2: Cloud Nothings – Immergut Festival, 30. Mai

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Wenn man extra für eine Band auf ein Festival fährt, sind die Erwartungen gewaltig. So geschehen letztes Jahr als ich das Immergut Festival im vorpommerischen Neustrelitz besuchte, um Cloud Nothings zu sehen. Cloud Nothings entdeckte ich irgendwann Anfang 2013 als gerade das vom Nirvana-Produzenten Steve Albini produzierte Album Attack On Memory ein paar Monate alt war. Dieses sollte sich in den nächsten Wochen zur absoluten Dauerschleife entwickeln. Etwas was bisher nur wenige Alben wie Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not oder Hot Fuss bei mir geschafft haben. Doch, wie man vielleicht an der Position hier erkennen kann – die Erwartungen wurden erfüllt und zwar zur Tausend Prozent. Die drei Mannen aus Cleveland machten die Zeltbühne zum Tollhaus und hauten auf ihre Instrumente ein als gäbe es kein Morgen.

„I’m stuck in here
And I’m tired of everywhere
I’m never gonna learn to be alone“ – Stay Useless

3: Cage The Elephant – Lido, 20. Februar

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Wenn man an Kentucky kommt einen vermutlich als Erstes frittierte Hühnchenteile in den Sinn. Doch aus den Bundesstaat zwischen Midwest und den Süden der USA kommt mehr. Mein persönlicher Exportschlager ist die Band Cage the Elephant. Anfang letzten Jahres war sie nur eine von vielen Indiebands in den Tiefen meiner Playlist. Doch nachdem sie am 20. Februar live im Lido bewundern durfte, hat sich dieser Status schlagartig verändert. Das Herz der Band ist der Sänger Matt Shultz, der auf der Bühne wütet, wie ein hyperaktives Kind, dass man zusätzlich noch mit einer Palette Red Bull gefüttert hat. Angetrieben wird er dabei von drei(!) Gitarristen! Ein wahres Rock’n’Roll-Feuerwerk also. Der Sound ist dabei eine Mischung aus britischen Indiesound und amerikanischen Grungeklängen. Absolut hörens- und sehenswert – vielleicht eine der aktuell besten Livebands auf unseren Planeten!

„So it goes in one ear and right out the other
People talking shit but you know I never bother“ – In One Ear

4: The Rural Alberta Advantage – Lido, 3. Dezember

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Von Kentucky geht die Reise weiter nach Norden, nach Kanada. Zu einer Band namens The Rural Alberta Advantage. Eine Band, die für mich im Oktober letzten Jahres noch wie die sprichwörtlichen Böhmischen Dörfer war. Doch manchmal braucht es gar nicht lange und man hat eine neue Lieblingsband. So geschehen bei RAA, wie sie auch genannt werden. Deshalb ging es natürlich auch für ganze 16 Euro ins nahezu ausverkaufte Lido. Und so viel kann ich sagen, die Band ist jeden einzelnen Cent wert. Während Frontmann Nils Edenloff mit seinen Texten über Heimat, Liebe und Sehnsucht ein melancholischen Gefühl versprüht, sorgt Paul Banwatt mit seinem treibenden Schlagzeug für einen fast tanzbaren Beat. Diese Kombination macht RAA aus. Das Salz in der Suppe zwischen diesen beiden Elementen ist die Keyboarderin Amy Cole, die zusätzlich Edenloffs Gesang mit hohen Tönen unterstützt. Zum Ende des Konzerts ging das Trio nicht einfach von der Bühne, sondern machte mitsamt Instrumenten noch einen Abstecher in die Mitte des Lidos und verabschiedete das Publikum mit einer vollakkustischen Version des Songs Good Night in die Nacht.

„I’ll hold ….. I’ll hold on to your touch
‚til they find the bones of us“ – Frank, AB

5: Pearl Jam – Kindl Bühne Wuhlheide, 26. Junipearl_jam_mg_9975_a_l

Ich gehöre wahrscheinlich zu den wenigen Menschen auf diesem Planeten die Eddie Vedders Solosachen vor Pearl Jam entdeckt haben – Into the Wild-Soundtrack sei Dank. Eine meiner absoluten Lieblingsplatten. Über die Jahre konnte ich mich aber auch immer mehr mit den Pearl-Jam-Klassikern anfreunden. So stand dieses Jahr natürlich auch der Besuch des Berlin-Konzerts der Grunge-Legenden auf dem Programm und die fünf Mannen aus Seattle hielten, was sie versprachen. Rock in seiner Reinform. Keine große Show, einfach gute Musik. Über drei Stunden gute Musik. 36 Songs. Ein Querschnitt aus fast 25 Jahren Bandgeschichte plus ein paar gecoverte Klassiker von den Ramones oder Neil Young. Pearl Jam sind als Liveband bedingungslos zu empfehlen, alleine schon weil sie jeden Abend eine andere Setlist spielen und Eddie Vedder wahrscheinlich einer der besten Sänger auf unseren Planeten ist.

„Did I say that I need you?
Did I say that I want you?
Oh, if I didn’t I’m a fool you see,.
No one knows this more than me.“ – Just Breathe

6. Kasabian – Columbiahalle, 25. Oktober

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Als ich 2012 einige Zeit in Hamburg lebte, war das Kasabian-Konzert, das erste Konzert auf dem ich je alleine war und es bleibt mir bis heute als eines der besten in Erinnerung. 2013 sah ich die Band aus Leicester auf dem Hurricane-Festival ein zweites Mal. Auch hier waren sie wieder eines meiner absoluten Festival-Highlights. Nun sollte 2014 das dritte Mal folgen. Auch wenn es meiner Meinung nach ihr bisher schwächste Auftritt war den ich gesehen habe (was auch am vergleichsweise eher schwächeren Album 48:13 liegen könnte), so war es dennoch mal wieder ein grandioser Auftritt. Mit ihrem psychedelischen, leicht elektronisch angehauchten Sound bringen sie selbst große Halle zum beben. Wenn ich 2015 wieder die Chance hätte Kasabian zu sehen, ich würde wieder hin gehen ohne auch nur eine Sekunde zu zögern.

„One take control of me
You’re messing with the enemy
Said it’s two, it’s another trick
You’re messin‘ with my mind, I wake up“ – Club Foot

7. CHVRCHES – Columbiahalle, 25. März

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Auf Platz Sieben schafft es CHVRCHES als einzige Band in diese Liste, die fast nahezu ohne Gitarren kommt. Das schottische Trio um Lauren Mayberry hat mit einem extrem eingängigen Elektropop dafür gesorgt, dass sie innerhalb von einem Jahr von der Panorama Bar in die Columbiahalle als Konzertlocation aufgestiegen sind. Auch wenn ich es leider nur geschafft habe zweites zu besuchen, war es ein extrem gutes Konzert.  Die drei, die allesamt ihre Wurzeln in klassischen Rockbands haben, versprühen auf der Bühne eine enorme Menge an Energie und erreichen dabei locker das Niveau der Aufnahme. Auch wenn sie als Newcomer bisher nur ein einziges Album herausgebracht haben, klingt die Setlist von einem alten Hasen im Geschäft, der aus seinen vielen Alben nur die besten Songs heraus gewählt hat.

„I’ll give you one more chance
To say we can change or part ways
And you take what you need
And you don’t need me“ – Recover

8. The Strypes – Postbahnhof, 14. April

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Die Mitglieder der nächsten Band sind in den Jahren 1995 und 1996 geboren. Also verdammt jung. Aber keine Sorge sie klingen nicht wie Justin Bieber. Vielmehr denkt man, wenn man sich auf einem Konzert der vier Iren befindet, dass man mindestens 50 Jahre zurück gebeamt wurde. In die Zeiten der frühen Beatles, Stones und Yardbirds. In die glorreichen Tage der Rockmusik. The Strypes sorgen für einen simplen, aber genialen Rock’n’Roll ohne Schnick-Schnack. Gitarre, Bass, Schlagzeug und ab und zu die Mundharmonika. Das war’s und das ist auch zu hundert Prozent ausreichend. Wer denkt, dass man einem der Konzert der Newcomer nach 40 bis 50 Minuten nach Hause gehen kann, hat sich geirrt. Die Setlist war stolze 21 Songs lang – neben den bekannten Stücken aus dem Debüt Snapshot gab es eine Menge an Klassikern aus den 50ern und 60ern wie Louie Louie oder Rollin‘ and Tumblin‘. The Strypes – Eine Band die man aufjeden Fall im Auge behalten sollte.

„Blue collar Jane, always in your town
Never wears her hair up cause she’s always dressing down“ – Blue Collar Jane

9. Babyshambles – Huxley’s Neue Welt, 28. Januar

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Peter Doherty, die Zweite. Auch mit den Babyshambles schafft er es in die Top10 meiner Konzerte des  Jahres 2014. Ich war schon immer ein großer Fan beider Doherty-Bands sowohl der Libertines, als auch der Babyshambles. Doch irgendwie fand ich ihn in Kombination mit Carl Barat schon immer einen Ticken besser und das hat sich auch dieses Jahr bewiesen. Trotzdessen sind die Babyshambles in ihre Art einzigartig und das haben sie auch bei ihrem Auftritt in Huxley’s Neue Welt bewiesen. Ganze eineinhalb Stunden musste das Berliner Publikum nach der Vorband auf das  Quartett warten. Doch dann sollte das Publikum das volle Doherty-Programm erhalten. Mit Stolpern, Murmeln, unerwarteten Pause und Leseproben aus deutschen Büchern. Wenn es im 21. Jahrhundert noch richtige, authentische Rockbands gibt, dann sind das die Babyshambles und die Libertines. Ohne Frage.

„Here comes a delivery
Straight from the heart of my misery
So, comes a delivery
Straight from the heart, to you.“ – Delivery

10. Lucy Rose – Immergut Festival, 30. Mai

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Den zehnten Platz in dieser Auflistung gewinnt der zweite Act vom wunderbaren Immergut Festival. Lucy Rose. Die ich ehrlicherweise vor ihrem Auftritt in der Abenddämmerung auf der Birkenhain-Bühne noch kein bisschen kannte. Lucy und ihre Band spielen melancholischen Indie-Folk, der ein bisschen an Daughter erinnert. Während sie auf ihrer Akkustikgitarre spielte und von ihrem Erlebnissen im Nachtbus oder in ihren Träumen sang, verzauberte sie das Publikum des Festivals. Im Anschluss gab es stehende Ovationen und die „Lucy, Lucy“- Rufe schallten vermutlich durch ganz Neustrelitz. Leider konnte es aus Zeitgründen keine Zugabe geben. Doch die Engländerin aus Warwickshire ist sicherlich immer wieder gern gesehen in der vorpommerischen Metropole.

„They say I love you, yeah
They says I always will
They say I love you, yeah
These wounds, they won’t heal“ – Middle of the Bed

Welche Konzerte habt ihr letztes Jahr besucht? Was waren eure Highlights?

5 Kommentare

  1. Howdy und vielen Dank fürs Folgen! Hier noch ein Geheimtip: Das Maifeld Derby Festival! Startet übrigens morgen 🙂 Liebe Grüße, Julia

    • Tollen Blogs wird natürlich auch gefolgt 😉 Ja, ich habe schon gehört, dass das Maifeld Derby eines der besten Indie-Festivals Deutschlands sein soll. Ich hab leider das Wochenende schon verplant, aber das Line-Up ist echt super. Viel Spaß und unbedingt The Rural Alberta Advantage anschauen 🙂 Liebe Grüße, Jonas

  2. Franzi sagt

    Mensch, drei Überschneidungen. Ich war auch bei Cage The Elephant (genial!), Kasabian (Bin ich die Einzige, die das Album mochte?) und Pearl Jam (Hatte so meine Probleme mit Vedders Gutmenschentum, da ich verzweifelt versucht hatte, nach vorne zum pogen zu gelangen, wir aber nach jedem Song drei Schritte nach hinten gehen mussten.).

    • Also gut fand ich das Kasabian-Album auch, aber sämtliche Vorgänger nunmal etwas besser. 😉 Wenn man bedenkt, dass bei einem Pearl-Jam-Konzert mal neun Menschen totgetrampelt wurden, ist sein Verhalten glaube ich verständlich. Auch wenn er vielleicht etwas überreagiert, aber ich glaube dass kann man ihm nach solchen Erlebnissen nicht übel nehmen.

  3. Pingback: Song der Woche: The Libertines – Gunga Din (2015) | Indiesoph

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