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Meine zehn Lieblingsfilme der letzten fünf Jahre

Man mag es kaum glauben. Das aktuelle Jahrzehnt ist mittlerweile schon zur Hälfte rum. Aus diesem Grund möchte ich einen kurzen filmischen Rückblick  auf die letzten fünf Jahre machen und meine bisherigen zehn Favoriten unserer angebrochenen Dekade vorstellen. Viel Spaß damit!

1. Drive (Nicolas Winding Refn, 2011)

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Bei dem Titel des Films denke man leicht an einem The-Fast-and-the-Furios-Abklatsch. Doch keine Sorge – Drive ist kein Film für Leute, deren Geschmack sich seit der Pubertät nicht mehr groß weiterentwickelt hat. Drive ist das Hollywood-Debut des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn, der vorher äußerst erfolgreiche europäische Arthaus-Streifen produziert hat. Dieser europäische Charme geht auch in Drive nicht verloren. Sicherlich ist die Story nicht allzu komplex und würde sich in wenigen Sätzen zusammen fassen lassen. Doch darum geht es hier nicht! Dieser Film ist vor allem eine ästhetische Reise. Der Soundtrack, die Farben, die Kameraeinstellungen – alles stimmt zu 100 Prozent. Zu dem liefert Ryan Gosling, der den wortkargen namenlosen Hauptprotagonisten verkörpert eine Meisterleistung, die auch seine letzten Kritiker verstummen lassen sollten. Für mich ist Drive schon heute ein moderner Klassiker, der in einer Reihe mit Pulp Fiction, Fight Club oder Der Pate genannt werden kann. (zum Trailer / zur moviepilot)

„Sie nennen den Zeitpunkt und Ort, ich gebe ihnen ein Zeitfenster von fünf Minuten. Wenn innerhalb dieser fünf Minuten etwas schief geht, gehöre ich ihnen, ohne wenn und aber. Ich werde mich nicht an dem Überfall beteiligen, oder eine Waffe tragen. Ich fahre!“

2. Vielleicht lieber morgen (Stephen Chbosky, 2012)

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Charlie (Logan Lerman) ist ein Außenseiter. Ein introvertierter, psychisch labiler Außenseiter. Sein einziger Freund hat vor kurzem Selbstmord begangen und auch seine größte Bezugsperson, seine Tante ist vor einiger Zeit verstorben. Entsprechend schwer fallen ihm seine ersten Highschool-Tage und die einzige Person mit der er spricht, ist sein Englischlehrer. Als er alleine ein Footballspiel besucht, trifft er durch Zufall seinen Klassenkameraden Patrick (Ezra Miller) und dessen Stiefschwester Sam (Emma Watson). Diese bemerken schnell, dass Charlie keine Freunde hat und beschließen ihn in ihre Clique aufzunehmen. In den nächsten knapp eineinhalb Stunden begleiten wir Charlie und seinen neugewonnenen Freunde durch das ganze Highschooljahr mit allen seinen Auf und Abs. Es geht um Freundschaft, Liebe, Drogen, die Vergangenheit und die Zukunft. Begleitet werden wir dabei von einer Menge popkultureller Referenz, wie der Rocky Horror Picture Show oder Heroes von David Bowie und Asleep von The Smiths. Vielleicht lieber morgen ist definitiv ein Film, den man gesehen muss. Schon alleine, weil sowohl das ursprüngliche Buch und der darauf basierende Film aus der Feder von ein und der selben Person stammen – Stephen Chbosky. (zum Trailer / zur moviepilot)

„Meine Ärztin hat gesagt, wir können uns nicht aussuchen, woher wir kommen, aber wir können uns aussuchen, wohin wir gehen.“

3. Boyhood (Richard Linklater, 2014)

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Ein Film. Zwölf Jahre Produktionszeit. Mehr Coming-of-Age als Boyhood kann ein Film gar nicht sein. In Boyhood begleitet wir Mason (Ellar Coltrane) von seinen sechsten Lebensjahr bis zu seinem Auszug zu Hause und seinem ersten Tag am College. Sowohl die Rolle von Mason, als auch die von allen seinen Personen in seinem Umfeld werden durchgängig von den gleichen Schauspielern darstellt. Richard Linklater hatte am Anfang der Dreharbeiten keinen festen Plan, wie der Film am Ende der zwölf Jahre aussehen soll und ließ auch immer wieder Ideen der Darsteller mit einfließen. Doch dieser etwas experimentelle Ansatz merkt man den Film nicht an. Er wirkt trotzdem in sich äußerst stimmig. Die Geschichte der Familie ist zwar nichts außergewöhnliches und uns aus unseren eigenen oder den Familien aus unseren Umkreis bekannt, aber war für mich auch über die ganzen drei Stunden sehr mitreißend und ließen die Zeit, wie im Flug vergehen. Boyhood ist zwar vorrangig ein Film über einen älter werdenden Jungen. Doch eigentlich ist es doch viel mehr: Ein Film über den Abnabelungswunsch der Kinder und die gleichzeitige Angst loszulassen der Eltern. Ein Film  über Menschen, die kommen und auch wieder gehen. Ein Film über Menschen, die für immer bleiben. Ein Film über die ganze Familie. (zum Trailer / zur moviepilot / zum Boyhood-Artikel)

„Du brauchst keine Banden. Das Leben gibt dir keine Banden.“

4. Shutter Island (Martin Scorsese, 2010)

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Kaum ein Schauspieler hat die letzten zehn Jahre so geprägt, wie Leonardo DiCaprio. Die 70er und 80er hatten Al Pacino und Robert De Niro, die 90er Tom Hanks und wir, wir haben Leonardo DiCaprio. Ein Schauspieler, der schon jetzt ein festen Platz in den Geschichtsbüchern Hollywoods sicher hat. Mein persönlicher Lieblingsfilm von ihm ist Shutter Island. Natürlich gedreht von seinem kongenialen Partner Martin Scorsese . DiCaprio spielt in Shutter Island den US-Marshal Edward Daniels der zusammen mit seinem Partner Chuck Aule (Mark Ruffalo) auf Shutter Island das Verschwinden der Patientin Rachel Solando aus dem Ashecliffe Hospital für psychisch gestörte Schwerverbrecher untersuchen soll. Zudem vermutet er auch den Mörder seiner Frau in dieser Anstalt und geht nach den ersten Untersuchungen auch von geheimen Experimenten an den Patienten aus. Im folgenden geriet alles immer mehr aus der Kontrolle. Daniels leider unter starken Halluszinationen, sein Partner verschwindet, die verschwundene Patientin wird gefunden und nicht scheint mehr, wie man denkt. (zum Trailer / zur moviepilot)

„Jeder hat seine Macken. Ich hab auch meine Macken. Der Unterschied ist: die meisten anderen machen ihren Mann nicht mit einer Axt kalt.“

5. Midnight in Paris (Woody Allen, 2011)

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Midnight in Paris ist Woody Allens Hommage an die Stadt der Liebe. Nachdem er sich mit Match Point und Vicky Christina Barcelona bereits äußerst erfolgreich mit London und Barcelona zwei europäischen Metropolen gewidmet hat, ging die Reise nun weiter nach Frankreich. Hier beschreibt er eine Geschichte in der Jil Pender (Owen Wilson), ein erfolgreicher Hollywood-Autor gemeinsam mit seiner Frau und seinen zukünftigen Schwiegereltern Paris besucht. Jil und seine Frau haben furchtbar wenig gemeinsam. Er möchte seinen ersten Roman veröffentlichen und träumt von einem Leben im Paris der 20er. Sie hat hingegen den Horizont eines breit gefahrenen Frosches. Hinzu kommen noch ihre konservativen Eltern die mit seinem Freigeist äußerst wenig anfangen können. In seinen nächtlichen Spaziergängen verliert sich Jil in seinen nostalgischen Träumen, trifft Personen wie Ernest Hemmingway,  Salvador Dalí und Luis Bunuel und erkennt das sein Leben in seinen bisherigen Bahnen nicht weitergehen kann. Midnight in Paris – ein Film für Nostalgiker, Paris-Liebhaber, Melancholiker oder einfach auch Leute mit einem guten Filmgeschmack. (zum Trailer / zur moviepilot)

„Kannst du dir ausmalen, wie abgefahren schön diese Stadt im Regen ist? Stell dir die Stadt in den Zwanzigern vor! Paris in den Zwanzigern. Im Regen. Die Künstler und Autoren.“- „Wieso muss ich mir jede Stadt immer im Regen vorstellen? Was ist so toll daran, nass zu werden?“

6. Inception (Christopher Nolan, 2010)

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Was wäre, wenn man in die Träume Anderer reisen könnte und so das Bewusstsein manipulieren kann? Christopher Nolan beschäftigt sich in seinem mit vier Oscars ausgezeichneten Meisterwerk Inception mit genau dieser Frage und schafft damit wahrscheinlich den imposantesten  Blockbuster der letzten fünf Jahre. Als Hauptprotagonist wirkt auch hier, wie schon in Shutter Island Leonardo DiCaprio mit. Er spielt Dominick Cobb, der darauf spezialisiert ist Informationen aus den Träumen von Opfern zu stehlen. Von einem mächtigen Auftraggeber (Ken Watanabe) erhält er den Auftrag einen Gedanken in das Unterbewusstsein eines Konkurrenten einzupflanzen. Unterstützt wird er dabei von einem tatkräftigen Team (u.a Ellen Page, Tom Hardy und Joseph Gordon-Levitt). Inception ist ein überaus beeindruckender Film, der zwar auch eindrucksvolle Bilder und einen überwältigenden Soundtrack liefert, aber doch primär über die grandiose Story beeindruckt. Denn wer fragt sich nach dem Film nicht, ob der Nimbus fällt oder in Bewegung bleibt? (zum Trailer / zur moviepilot)

„Die Realität wird ihr jetzt nicht mehr genügen“

7. Der Vorname (Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte, 2012)

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Wenn meine Mutter eine DVD vom Einkaufen mitbringt, bin ich doch immer anfangs eher etwas skeptisch. Doch bei dem französischen Film Der Vorname war dieser Zweifel nach spätestens zehn Minuten gänzlich verflogen. Der Vorname ist eine Adaption des gleichnamigen Theaterstückes aus dem Jahre 2010. Sowohl Besetzung, als auch Regie stimmen mit dem Originalstück überein. Der Film findet durchgängig in der Wohnung von Elisabeth und Pierre statt, die zum Abendessen geladen haben. Gäste sind Elisabeths Bruder Vincent, seine Lebensgefährtin Anna und Claude, der seit Kindheitstagen beste Freund von Elisabeth. Es scheint ein ruhiger, idyllischer Abend mit Rotwein zu werden. Doch, dann behauptet Vincent, dass das Kind seiner schwangeren Lebensgefährtin nach einer Figur eines Romans von Benjamin Constant Adolphe heißen wird. Die anderen assoziieren mit diesem Namen eine andere historische Figur und der Abend nimmt eine überraschende Wendung. Für mich, dessen Filmgeschmack durchaus etwas frankophil ist, ist der Film ein wahrer Genuss. Alle anderen, die zumindest einen kleinen Faible für Ironie, Sarkasmus und schwarzen Humor haben, sollten unbedingt mal diesen Film in ihren DVD-Player schmeißen. (zum Trailer / zur moviepilot)

„Das Schöne an Familie ist, man kann sich alles sagen.“

8. Black Swan (Darren Aronofsky, 2010)

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Black Swan ist auf den ersten Blick ein Tanzfilm. Doch wer schon Mal einen Film von Darren Aronofsky wie Pi oder Requiem for a Dream gesehen hat, weiß dass Black Swan ganz sicher mehr als ein einfacher Tanzfilm sein wird. Ein New Yorker Ballettensemble möchte Tschaikowskis Schwanensee neu aufführen und suchen dafür eine Tänzerin, die sowohl den weißen als auch den schwarzen Schwan verkörpern soll. Die ehrgeizige Ballerina Nina Sayers träumt schon seit ihrer Kindheit von einer großen Rolle und übt, wie verrückt, um ihren Traum zu verwirklichen. Zwar beherrscht sie die Rolle des unschuldigen, weißen Schwans bereits perfekt, doch ihr fehlt die Leidenschaft und Sinnlichkeit für den weißen Schwan. Black Swan ist ein Film über grenzenlosen Ehrgeiz und über Eltern, die versuchen ihren Kindern, ihre Träume überzustülpen. Nathalie Portman verkörpert dabei die Rolle der Ballerina, die über sich hinaus wächst, perfekt. (zum Trailer / zur moviepilot)

„Perfektion ist nicht nur eine Frage der Kontrolle, sondern auch des Fallenlassens.“

9. The Social Network (David Fincher, 2010)

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Als großer David-Fincher-Fan und Social-Media-Enthusiast der ersten Stunde habe ich mich schon lange im Vorfeld auf The Social Network, die Geschichte hinter der Gründung von Facebook gefreut. In The Social Network wird die Geschichte von Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg), einen US-Amerikanischen Studenten erzählt, der v0m Außenseiter zum CEO einer der größten Internetfirmen der Welt wird. Angefangen mit den Aktivitäten im Wohnheim, dem Launch und Durchbruch an der Harvard University, der anschließenden Verbreitung und dem Umzug ins Silicon Valley, erzählt The Social Network eine Geschichte über Freundschaft, Geld und Betrug. Ein Film nicht nur für Leute, die täglich Stunden bei dem blauen Riesen verschwenden. (zum Trailer / zur moviepilot)

„Eine Million Dollar ist nicht cool. Weißt du, was cool ist? Eine Milliarde!“

10. 5 Zimmer Küche Sarg (Jemaine Clement und Taika Waititi, 2014)

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Viago, Vladislav, Deacon und Petyr leben in einer WG. Allerdings in keiner gewöhnlichen WG. Die Bewohner sind zwischen 200 und 8000 Jahre alt und weilen nicht mehr unter den Lebenden. Sie sind Vampire. Doch die Probleme in diesem Zusammenleben gleichen denen in einer menschlichen WG, wie (jahrelang), nicht abgewaschenes, (blutverschmiertes) Geschirr. Das besondere an dieser neuseeländischen Low-Budget-Produktion ist der Mockumentary-Stil. Alles wirkt so, wie eine Dokumentation, als ob ein Kamera-Team, die vier Vampire und ihre Freunde bei ihren alltäglichen Problemen und nächtlichen Abenteuer begleitet. 5 Zimmer Küche Sarg ist ein außergewöhnlicher Film, den man in so einer Form definitiv noch nicht gesehen hat. Der Geheimtipp unter meiner Top10. (zum Trailer / zur moviepilot)

„Deacon, bei dir steht Abwaschen und das tut es schon seit fünf Jahren.“

Und nun zur euch: Wie findet ihr die Auswahl? Welcher Film fehlt? Welche Filme waren eure Favoriten?

5 Kommentare

  1. Die sieben Filme, die ich aus deiner Liste kenne, würde ich auch allesamt sehr hoch einordnen, vielleicht sogar alle in einer Top 10. Insofern: sehr gut gewählt! 🙂

  2. Interessanter Blogpost. Für mich Inception klar auf der 1. Interstellar als weiterer Nolan-Film fehlt für mich. Aber ist ja Geschmackssache 🙂 VG

    • Mich hat an Interstellar etwas gestört, dass er doch teilweise viel von 2001 von Kubrick übernimmt. Trotzdem ist Interstellar, natürlich wie alle anderen Nolan-Filme auch wirklich grandios!

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