Konzerte & Festivals
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Parquet Courts – Tinitus für Umme

Der Kopf kurz vorm Platzen. Die Zeit wird im knapper und seit Tagen nur koffeinhaltige Getränke und Junk-Food im Magen. Korrekt – Prüfungsphase. Das Highlight eines jeden Studentenlebens. Mit weiser Voraussicht haben ich mir Mitten in diese Phase des Grauens vor Monaten ein Konzert gelegt. Als Kontrastprogramm praktisch oder auch als Prokrastinationsmittel. Ganz wie man will.

Da der Kühlschrank seit Tagen oder vielleicht sogar seit Wochen eher knapp befüllt ist, begab ich mich rechtzeitig Richtung Warschauer Straße. Überwältig von der kulinarischen Vielseitigkeit ging es zu „What a Wurst“. Ein Ort für einsame und dubiose Gestalten, die nachts nach exzessiven Alkoholgenuss ihren Heißhunger befriedigen müssen. Oder aber für mich und ein paar Touristen. Nach einer vorzüglichen Currywurst ging es zum Ort des Geschehens zum Cassiopeia entlang der Revaler Straße. Auf dem Weg boten mir einige Händler ihre lokalen Spezialitäten an, deren Angebot ich allerdings leider verneinte. Angekommen auf dem RAW-Gelände suchte ich erstmal die Konzerlokalität.

Doch nun genug des Vorgeplänkels. Welche Band spielt heute eigentlich? Parquet Courts. Eine Band, die ich nach stundenlangen Hören von Cloud Nothings und Japandroids entdeckte. Eingängiger Garage-Rock beziehungsweise Post-Punk mit ganz leichten Noise-Rock-Einflüssen. Zumindest dachte ich das zu diesem Zeitpunkt. Als Vorband machten Zulu Pearls einen souveränen, aber im Vergleich zu Parquet Courts doch eher ruhigeren Einstieg in den Abend. Doch schon mutierte der kleine Konzertraum im Cassiopeia in übertriebener Julidämse zu einer Tropfsteinhöhle.

Anschließend betraten die vier Jungs aus Brooklyn die Bühne und machten vor allem mit ihren zwei Gitarren mächtig Feuer. Die Gesangspart teilten sich zwei Gitarristen und der Bassist in Beatles-Manier auf. Spätestens bei „Borrowed Time“ erreichte die Energie des Quartetts auch den letzten Konzertbesucher und es entstand ein riesiger Moshpit. Aus dem man praktisch nicht mehr herauskam. In der nächsten Zeit spielte die Band sich so langsam in Ektase. Das Gitarristenduo Andrew Savage und Austin Brown hauten minutenlang auf ihre Gitarren ein. Teilweise rieben sie mit dem Mikro auf den Seiten ihrer Klampfen herum. Es enstanden so hohe Töne, dass sich einige Leute die Ohren zu hielten. Aus der friedlichen Indie-Band von Nebenan wurde ein Noise-Rock-Monster, was mit aller Macht in die Fußstapfen von Sonic Youth treten will. Zu guter Letzt gaben sie noch ihren vermutlich bekanntesten Titel „Stoned and Starving“ zu Besten und brachten die kleine Butze noch mal zum Glühen. Anschließend ging man benebelt von einem äußerst beeindruckenden Konzert mit einem mächtigen Piepen im Ohr seiner Wege. Als das Piepen nach 24 Stunden immer noch omnipräsent war, befasste ich mit ausgiebig damit es Vincent van Gogh gleichzutun und suchte nach scharfen Gegenständen in meiner Küche. Aber keine Sorge das Ohr ist noch dran und das Piepen hat mittlerweile auch aufgehört.

„I was scratching off silver ink.
I was deciding what to drink.
I was so stoned and starving.“

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